Wofür steht Umzugsqualität.de?

Interview mit den Geschäftsführern der kooperierenden Umzugsunternehmen 

Die gemeinsame Kampagne  – Umzugsqualität.de –  der sechs großen Umzugskooperationen vereint bundesweit mehr als 200 Einzelbetriebe mit über 4.000 Fahrzeugen und 10.000 Mitarbeitern. Die Initiative setzt Maßstäbe in einer Branche, in der sich vieles im Wandel befindet. Ob Digitalisierung, Brexit, Klimawandel oder die konjunkturelle Lage – einige aktuell in der Gesellschaft diskutierte Themen betreffen mittelbar oder unmittelbar auch die Möbelspeditionen. Und die in den Umzugskooperationen vernetzten Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen.

Im Interview mit der >>Umzugsakademie<< erörtern die Geschäftsführer der sechs Kooperationen, welche Themen derzeit und zukünftig die drängendsten sind, und wofür die Umzugsqualität.de steht. Im Gespräch: Guido-Mathias Reintgen (comtrans), Frank Landerbarthold (DMS), Martin Bast (transratio), Peter Baldeweg (Euromovers), Andreas Kölling (confern) und Axel Schurbaum (UTS).


Sechs eigenständige Umzugskooperationen sind in der Umzugsqualität.de vernetzt,
was macht dieses Bündnis aus, wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Andreas Kölling: Die Umzugsqualität.de ist vor allem eine Abgrenzungskampagne, wir vertreten einen gemeinsamen Wertekanon. Der Markt wird für den Kunden heute immer unübersichtlicher, er wird mit Umzugs-Angeboten geradezu bombardiert. Leider sind viele davon nicht seriös. Die sechs großen Umzugskooperationen verbindet ihr hoher Anspruch, wir alle arbeiten nach bundesweit einheitlichen und garantierten Qualitätsstandards. Alle Kooperationen und die darin vereinten Fachbetriebe stehen hinter diesen Werten. Insbesondere der Service spielt eine sehr wichtige Rolle für uns.


Frank Landerbarthold:
Auf der Website Umzugsqualität.de umreißen wir die Vorzüge der Kooperationen mit sechs Begriffen: vor Ort, qualifiziert, zertifiziert, flexibel, kompetent und fair. Denn bei unseren regional verankerten Fachbetrieben handelt es sich zumeist um traditionsreiche Umzugsspeditionen mit langjähriger Erfahrung in ihrem Gewerbe. Unsere Botschaft lautet daher: wir bieten Qualität und Vertrauen durch hochwertige Dienstleistungen.

Peter Baldeweg: ...und unsere Betriebe sind inhabergeführt. Sie verfügen über gut ausgebildetes Personal. In den Kooperationen vereint sind sie stark aufgestellt, nicht nur durch die gemeinsamen Wertestandards und die jeweilige fachliche Expertise. Auch die Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Kooperationen macht die Unternehmen leistungsfähiger und effizienter. Diesen Mehrwert wollen wir über die Umzugsqualität.de darstellen und kommunizieren.


Die Umzugsqualität.de stellt keine Plattform für eine direkte Zusammenarbeit der Kooperationen dar?

Axel Schurbaum: Nein, sondern eine Plattform für die Kommunikation gemeinsamer Werte und Qualitätsstandards. Und für seriöse und fundierte Information rund um die Dienstleistung Umzug. Außerdem erläutern wir dort auch die Vorzüge und Merkmale der Umzugskooperationen. Sowohl für den Kunden wie auch für interessierte Möbelspeditionen und potenzielle Mitarbeiter.


Was macht den Markt für den Kunden unübersichtlich?

Guido Reintgen: Nun, viele fachfremde Mitbewerber haben den Umzug als Business für sich entdeckt. Auf Werbezetteln in Briefkästen, in Anzeigen und auf Vermittlungsportalen im Internet versprechen sie schnelle und billige Umzüge. Sehr oft fehlt diesen Anbietern aber jedwede Expertise, Fachequipment und geschultes Personal. Viele besitzen nicht einmal eine feste Adresse. Die Kunden sind mit Unmengen dieser Angebote konfrontiert und können dann nicht einschätzen, wie diese zu bewerten sind. Und was einen guten Umzug überhaupt ausmacht.

Andreas Kölling: Speziell in der Abgrenzung zu dieser Art von Umzugsfirmen haben wir die Umzugsqualität.de ins Leben gerufen. Die Speditionen in den sechs Umzugskooperationen kennen ihr Handwerk und begleiten den Kunden zuverlässig auf dem gesamten Weg. Unter den 200 Betrieben ist immer auch einer, der beim Kunden vor Ort zu Hause ist – ein direkter Ansprechpartner mit Ortskenntnis ist da garantiert.


Ist der "schnelle Umzug" beim Kunden gefragt, spielt Geschwindigkeit heute eine größere Rolle?

Peter Baldeweg: Ja, der Kunde ist es inzwischen gewohnt, im Internet zu bestellen und am nächsten Tag seine Ware zu erhalten. So soll nun auch der Umzug ablaufen – heute bestellt, morgen geliefert. Unseriöse Anbieter machen sich das zunutze und offerieren vermeintlich schnelle Umzüge. Aber ein Umzug lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Menge und Beschaffenheit des Umzugsguts müssen im Rahmen einer Besichtigung eruiert, benötigtes Packmaterial und Mitarbeiter kalkuliert werden. Die baulichen Voraussetzungen vor Ort spielen eine Rolle, ebenso vom Kunden gewünschte Services. Ladezonen müssen beantragt werden. All das geht nicht über Nacht, das funktioniert einfach nicht.

Martin Bast: So lässt sich kein seriöses Angebot gestalten und erst recht kein sicherer Umzug. Am Ende zahlt der Kunde drauf, mindestens finanziell, höchstwahrscheinlich aber mit beschädigtem Mobiliar, einem unfertigen Umzug oder juristischem Ärger. Dann sind meistens auch keine Fachkräfte am Werk, sondern ungelerntes Personal. Nehmen Sie zum Vergleich einmal den offiziellen Beruf: Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Die Ausbildung dauert drei Jahre, wir setzen da echte Profis ein.

Guido Reintgen: Dennoch sind unsere Betriebe heute schon schneller denn je unterwegs, das soll hier nicht unerwähnt bleiben. Zum einen möchten wir damit besagtem Wunsch der Kunden nach zügig verfügbaren Leistungen nachkommen. Und das können wir gerade über die Kooperationen auch. Zum anderen ist alles effizienter geworden, der Kunde kann viele Schritte digital gehen. Etliche Arbeitsvorgänge bei den Betrieben laufen mittlerweile rechnerbasiert ab. Die Fuhrparks sind leistungsstärker und wartungsärmer. Die Umzugsspeditionen sind heute flexibler, agiler und klimaschonender unterwegs.

An welchen Punkten beeinflusst der Umwelt- und Klimaschutz die Arbeit der Möbelspeditionen?

Frank Landerbarthold: An vielfältigen, etwa durch einzuhaltende Normen, wie beispielsweise ISO 14001. Die kooperierenden Umzugsspeditionen arbeiten nach den Vorgaben dieser internationalen Norm für Umweltmanagementsysteme. Die Einhaltung ist dabei unserem eigenen Anspruch geschuldet, Verantwortung zu übernehmen. Natürlich könnten auch rechtliche Einschränkungen auf uns zukommen, mit großen Auswirkungen. Zum Beispiel mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge.

Martin Bast: ...aber auch durch den Kunden kommt das Thema auf. Das Denken hat sich gewandelt, es gibt inzwischen ein Interesse, den Klimaschutz betreffend. Wie klimaschädlich ist mein Umzug? Müssen große LKW mit Verbrennungsmotoren durch die Innenstädte fahren? Das beschäftigt die Kunden heute immer mehr, das bekommen wir schon mit.


Wie stellen sich die Kooperationen und Fachbetriebe denn für den Klimaschutz auf?

Guido Reintgen: Die Umzugskooperationen sindda an sich bereits ein entscheidender Schritt in Richtung Klimaschutz. Gemeinsam agierend sind die Betriebe einfach effizienter. Stichwort: Beiladung – die Möbelspeditionen können mit ihrer Zusammenarbeit unnötige Fahrten und somit jährlich einige tausend gefahrene Kilometer vermeiden. Das macht extrem viel aus.

Axel Schurbaum: Oder eben mit der, schon erwähnten, projektbezogenen Kooperation und gemeinsamen Disposition innerhalb der Kooperationen. So lassen sich Umzugsprojekte durch die Zusammenarbeit regionaler Betriebe realisieren, wir haben da hervorragende Synergieeffekte. Mit der Qualität und Quantität an Personal, Ausrüstung und Know-how entsteht eine enorme Leistungsfähigkeit und Flexibilität, selbst zu Umzugs-Hochphasen, bei komplexen Spezialtransporten oder bei Großprojekten. Diese Effizienz kommt nicht nur dem Kunden zugute, sondern eben dem Klimaschutz. Und auch den Betrieben selbst.

Andreas Kölling: Bei denen passiert übrigens extrem viel. In den ersten Umzugsunternehmen kommen bereits einige Fahrzeuge mit Elektroantrieb zum Einsatz. Die Technologie ist im Bereich der Lastkraftwagen noch recht limitiert aber diese Antriebe werden sich weiterentwickeln. Vor allem, wenn jemand den Anfang gemacht und den Flottenumbau begonnen hat. Da möchten wir Vorreiter sein und unseren Anspruch an moderne, zukunftsorientierte und klimaschonende Umzugsservices auch auf die Straße bringen.

Peter Baldeweg: Ein interessanter Ansatz ist der des klimaneutralen Umzugs durch Emissionsausgleich. Ein spezialisierter Anbieter errechnet den CO2 Fußabdruck einer Umzugsspedition. Da fließen Faktoren wie die Fahrzeugflotte, verwendete Betriebsstoffe, eingesetztes Verpackungsmaterial, Anfahrtswege der Mitarbeiter und vieles mehr ein. Der Kunde bekommt dann die präzise CO2 Emission mitgeteilt, die ganz genau sein Umzug mit diesem Betrieb verursacht. Diese kann er finanziell ausgleichen. Der Betrag wird weltweit in zertifizierte Klimaschutzprojekte investiert, zum Beispiel für Wiederaufforstung oder die Nutzung von Windenergie. Und zwar genau der Umzugs-Emission entsprechend.

Inwiefern gibt es digitale Lösungsansätze?

Martin Bast: Da wäre sicher der zunehmende Einsatz von Telematik Systemen zu nennen. Diese vernetzen Fuhrpark und Betrieb, bringen so deutlich mehr Effizienz für das Controlling und das Flottenmanagement der Möbelspeditionen. Softwaregestützte Routenplanung und Auftragsabwicklung, automatisierte Arbeitsabläufe oder bedarfsgerechte Wartungsintervalle für die Flotte, mit Telematik Systemen lässt sich vieles machen. Damit entsteht nicht nur eine höhere Wertschöpfung, de facto werden dabei auch erheblich Spritkosten gespart.

Wie werden Technologie und Digitalisierung die Branche insgesamt beeinflussen?
Und bleibt der eigentliche Umzug immer eine menschliche Leistung?

Peter Baldeweg: Teilaspekte des Umzugs werden vermutlich noch länger in Menschenhand bleiben. Das Ein- und Auspacken, Be- und Entladen oder Montagen beispielsweise, diese Tätigkeiten sind recht komplex. Maschinen, die dies einmal bewerkstelligen könnten, wären sicherlich auch nicht günstig und würden sich erst nach geraumer Zeit amortisieren. Auch spielt da, zumindest anfangs, wohl der psychologische Faktor eine Rolle. Soll eine Maschine entscheiden, wie mein gutes Porzellan verpackt wird? Oder sollen Roboter durch meine Wohnung rollen? Diese Hemmschwelle müsste überwunden werden.

Martin Bast: ...es gibt aber auch spannende Visionen. Etwa der Einsatz großer Drohnen - diese könnten das Umzugsgut durch Fenster hindurch aufnehmen und den Transport zum Zielort erledigen. So ließe sich jede Etage erreichen, man würde den Straßenverkehr meiden. Eine andere Vision: Modular aufgebaute Gebäude nehmen mobile Wohneinheiten auf. Bei einem Umzug würden dann nur diese versetzt, so wie es heute mit Wohncontainern gemacht wird. Ich behalte dabei meine Einrichtung in ihrer Konfiguration, nur der Wohnort ändert sich. Das dürfte aber mehr Utopie als nahe Zukunft sein.

Aber der Umzug kennt schon heute digitale Aspekte, oder?

Frank Landerbarthold: Absolut. Die junge Generation möchte alles online erledigen. Dem tragen die Möbelspeditionen teils bereits Rechnung. Zum Beispiel mit entsprechenden digitalen Angeboten für die Kalkulation und Konfiguration von Leistungen. Auch die Angebots-Erstellung, Abrechnung, Terminplanungen oder die Buchung sind teilweise schon über die Websites der Speditionen möglich. Die Umzugsbesichtigung kann heute bei einigen Betrieben über hochgeladene Fotos vorgenommen werden. Das sind große Veränderungen, die es dem Kunden bequemer machen.

Axel Schurbaum: Das sind aber vor allem die für den Kunden sichtbaren Veränderungen ins Digitale. Vieles passiert in den Unternehmen selbst. Dort findet die Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen statt. Das spart dann Aufwand, Zeit und Kosten. Die Betriebe werden so effizienter und dadurch letztlich wettbewerbsfähiger und klimafreundlicher. Da wird sich in den nächsten Jahren auch noch einiges tun.

Welche Herausforderungen bringt ein Ereignis wie der Brexit für die Umzugsspeditionen?

Andreas Kölling: Das bleibt abzuwarten. Vermutlich wird es ab dem 31. Oktober 2019 recht chaotisch an der EU-Grenze zu Großbritannien zugehen. Wir rechnen mit längeren Wartezeiten bei der Zollabfertigung, und das für einen längeren Zeitraum. Dann ist dort eine EU-Außengrenze – mit allen Konsequenzen. Für unsere Betriebe bedeutet das mehr Papierkram, also mehr Arbeit und dazu den zeitintensiven Grenzübertritt. Das wird eine Menge Geld kosten und den Transport auf dieser Strecke verteuern.


In Deutschland herrschte lange eine gute Konjunktur. Macht sich das in der Branche bemerkbar?

Guido Reintgen: Ja und nein – umgezogen wird grundsätzlich bei jeder Wirtschaftslage, wir setzen deswegen jetzt nicht mehr oder weniger Umzüge um. Allerdings sind die Beschäftigungszahlen derzeit so gut, dass der Arbeitsmarkt ziemlich ausgedünnt ist. Unsere Betriebe finden nicht so leicht gutes Personal.

 

Gute Mitarbeiter zu finden ist aktuell ein Problem?

Frank Landerbarthold: Oh, das ist bei uns derzeit ein großes Thema. Insbesondere bei den Berufskraftfahrern ist der Markt momentan extrem leergefegt. Es gestaltet sich schwieriger, da qualifizierte Leute zu bekommen. Und Fahrer sind in unserer Branche nun einmal unverzichtbar.

Axel Schurbaum: Unsere Betriebe suchen aber auch in anderen Berufsbildern nach Mitarbeitern. Für die Möbelspeditionen ist es enorm wichtig die Stellen qualifiziert zu besetzen, sonst bekommen wir über lang oder kurz Probleme. Auf den Seiten der kooperierenden Umzugsunternehmen sind die Stellenangebote teils auch ausgeschrieben. Interessierte können sich dort bei einem Betrieb in ihrer Region bewerben. Das sind spannende und abwechslungsreiche Jobs. Wir freuen uns über Bewerbungen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Die Umzugsakademie

 

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